Nahe der Natur
Mitmach-Museum für Naturschutz
  • Neue Natur - Neobiota

Eine Freinatur-Themenseite - auch direkt erreichbar unter Domain www.neue-natur.de

Eng mit „Wildnis“ und „Rewilding verknüpft (Themenseite Wildnis) ist das Neobiota-Thema. Denn wer Wildnis-Dynamik zulässt, sollte eigentlich auch Artendynamiken, auch Neubürger akzeptieren. Oder nicht - wann und wie? Darum dreht sich diese Seite zu einem der gereizesten oder reizvollsten Naturschutz-Themen der Zeit. Zum Mitdenken, mit Toleranz!


Um was geht es? Begrifflichkeiten:

‚Neobiota‘ (Neo = neu, Biota = Lebendiges) sind „gebietsfremde“ Organismenarten, die in historischer Zeit in einem Gebiet nicht vorkamen und aus weit entfernten Regionen stammen. ‚Neophyten‘ sind entsprechende Pflanzen, ‚Neozoen‘ Tiere. „Archäo-Biota“ sind Arten, die schon früh verschleppt wurden (bis Mittelalter). Demgegenüber werden als „altheimisch“ Arten bezeichnet, die noch früher hier waren. Wenige Neobiota verhalten sich zeitweise „invasiv“: Das heißt, sie verbreiten sich schnell und bilden Dominanzbestände. Sie werden international als ‚invasive alien species‘ (IAS) bezeichnet. Neobiota werden oft problematisiert; dagegen leben wir hier unser Toleranz-Prinzip, aber mit Differenzierungen.

Eigenes Material zur Übersicht:

  • Übersichts-Fachartikel: Michael Altmoos (2026): "Fremdes reizt: Neobiota und ihre Einordnung in die Naturdynamik" - Naturschutz-Magazin 02-2026: Seiten 58-65. Freies pdf hier (Download ganzes Heft). Quelle 'Naturschutz-Initiative.de'. Daraus das Bild.
Frmendes reizt? Neobiota-Toleranz, erklärt von Michael Altmoos

Reiztier Waschbär in Europa. Titelbild des Artikels von Michael Altmoos, indem Toleranz erklärt,a ber auch differenziert wird. Quelle (c) 'Naturschutz-Initiative.de


Und die Anderen?

Ein behördliches Portal zu Neobiota in Deutschland bietet das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Dort gibt es teils weniger Toleranz gegenüber Neobiota als wir hier anregen, aber doch auch viele Differenzierungen und beileibe keine pauschale Bekämpfung: Portal Link. 


Neue Natur

Laut konsequentem Wildnisbegriff, zumindest nach unserem Verständnis, geht Natur immer nur nach vorne – nie zurück. Eine Rückführung auf frühere Zustände mjenseits einiger „Denkmalflächen“ (und auch die nicht vollständig) muss zum Scheitern verurteilt sein. Denn natürliche und menschengemachte Stoffflüsse, Klima, aber auch Artenvorkommen sind nie dieselben. Weil Arten mit die Natur ausmachen, gibt es jeden Tag eine „neue Natur“.

Neobiota, auch Invasionen, gehören schon immer zum Wesen der Natur. Ob der Mensch mit seiner Globalisierung so viel stärker ist als die Milliarden von Zuvögeln, die wir so stark dezimiert haben und die seit Urzeiten mit veränderlichen Zugbahnen Samen und Tiere über Kontinente und Inseln verschleppten, darf diskutiert werden.

Mit naturdynamischem Blick, der unsere Arbeit ‚Nahe der Natur‘ prägt, bieten wir Faktenmaterial; Denkanstöße und Anregungen zum Thema: Zum Mitdenken, zum kultiviert Diskutieren und zum Handeln. Dabei unterscheiden wir drei Ebenen.


Ebene 1 - Toleranz dem Fremdem und Neuem

Unser Grundsatz ist das Neue zu akzeptieren. Waschbär, Nilgans, Springkräuter & Co haben Einfluss, aber in intakten Lebensräumen können dennoch altheimische Populationen überleben. Außerdem sind sie nicht oder wären nur mit extrem blutigem Aufwand und vielen Nebenwirkungen wegzubekommen. Sie gehören zu (neuer) Natur, eine alte gibt es ohnehin nicht. Und können nicht auch neue Arten, wenn sie denn schon angekommen sind, Strukturen und Funktionen im Naturhaushalt nicht genauso wie altheimische Arten übernehmen? Öfter als man denkt.

Natürlich gibt es Ausnahmen: das letzte Vorkommen einer altheimischen Art weit und breit, welches vom Kalikokrebs bedroht wird, darf und muss gegen die Fremden lokal geschützt werden. Die generelle Entwicklung lässt sich aber nicht aufhalten, feldzüge überall gegen diese örtliche Bedrohung sind mehr als fragwürdig..

Zu trennen sind auch Inseln mit lange isolierter Flora und Fauna. Dort richten Neobiota sicher immensen Schaden an, während sie im großen Durchgangskontinent Europa das eher nicht tun. Und wir beziehen uns vor allem auf Europa.

Link - Material:

Tendenziell zu mehr Toleranz gegenüber dem Fremden rufen fachlich umfassend begründet auf:


Ebene 2 - Engagement gegen absichtliche große Verfremdung

Das ist die andere Seite der gleichen Medaille namens Toleranz.

Denn so sinnig es ist, das Neue, wenn es schon da ist, zu tolerieren und (mit Ausnahmen!) laufen zu lassen, so unsinnig ist, es, aktiv und neu und groß verfremden zu wollen. Während aber Aktionisten unter manchen Naturschützern ihren K(r)ampf gegen Neobiota teils mit irrsinnigem Aufwand führen, sorgen Andere für aktive großflächige Verfremdung. Gerade das ist das eigentliche Problem, nicht die Springkräuter, Nilgänse und Waschbären der Republik.

Wir sind  gegen die aktive Verfremdung von Waldlandschaften durch die Forstwirtschaft, die unter dem Vorwand des Klima fremde Baumarten in Vielzahl neu einbringt. Das entsprechend Konzept der „asssistet migration“ einiger Förster ist abzulehnen, weil (1) die heimische Baum- und Waldvielfalt von alleine sicher und schnell genug anpassen kann, wenn man sie lässt (viele Beispiele), und (2) man ja keine Beziehungsgefüge von woanders her komplett mit verpflanzen kann und die „Neuen“ isoliert da stehen -mit eigenen Problemen.

Wir sind gegen die Ausbringung neuer Organismen in der Landwirtschaft, die oft kaum wieder zu begrenzen sind.

Wir sind gegen eine „synthetische Biologie“, die neu Ökosysteme designen will. Die Natur ist immer noch „klüger“, variabler und damit angepasst an alles als die modernste Wissenschaft.
Wir sind gegen einen unreflektierten Gartenhandel, der teils ungeprüft Erde und Exoten über die ganze Welt verfrachtet und damit täglich neue Würmer, Ameisen, Bakterien, potenzeíelle Invasoren in Gärten werbend verbringt, die erst (neue) Probleme verursachen.

Und wir klären bei uns stets auf: Gartenbesitzer, bitte niemals Grünabfälle (aus Exoten) in die Landschaft abladen, sondern zum örtlichen Entsorgungshof bringen. Illegal entsorgte Gartenabfälle sind ein unnötiges Einfallstor. Aquarier, Terrarienfreunde und Tierhalter, niemals Eure Schützlinge ins Freiland entlassen, denn so entstand mit das Krebsproblem an Gewässern.


Ebene 3 - Aktiv arbeiten mit altheimischen Arten

Toleranz dem Fremden mit und in Wildnis und Vorbeugen vor unsinnigen neuen großen Verfemdungen, das ist genannte Grundlage und undere Leitlinie, die trägt. Wenn man aber warum auch immer mal aktiv gestalten will, dann bitte mit altheimischen Arten, denn auf die sind ein Großteil der örtlichen Tierarten spezialisiert; auch sind sie an Klima bereits angepasst oder (heimische Wildpflanzen) von selbst schnell anpassbar. Siehe dazu unsere Seite ‚Naturgarten‘ und unsere Bücher im ‚shop‘.

Gestalten mit altheimischen Arten statt Exoten macht Spass und bietet wundervolle Möglichkeiten. Weil Naturschutz dabei zwar kluges Nachdenken, aber keine Dogmen braucht: Wer sich in einen Exoten verliebt hat, kann den im eigenen Garten halt auch mal pflanzen, daran geht die Welt nicht zugrunde, sollte aber ihn mit altheimischen Arten umgeben.


Zum Mitmachen und selbst machen:

  • Vorrang ist ‚Nichtstun‘, siehe unsere Wildnisseite. Seid oder werdet Teil einer wachsenden Wildnisbewegung! Die „richtigen“ Pflanzen- und Tierarten, ob einst fremd oder altheimisch, kommen von allein.
  • Wer aber unbedingt aussäen will, bitte nur mit gebietsheimischem Saatgut - wir empfehlen diesen Leitfaden mit Bezugsadressen.
  • Für den eigenen Garten: Link ‚Naturgarten-Prinzipien‘.
  • Mehr Lesen? Unsere Bücher im ‚shop‘. In all diesen ist das Thema 'Neobiota' passend eingeordnet.